Archiv für die Kategorie „Lieder“

Resolution der späten Trinker

Sonntag, 8. Januar 2017

In Erwägung all der vollen Biere
Und des Abends, der so jung noch ist
Haben wir uns entschlossen,
Noch ein Bier zu trinken,
Weil ja schließlich heut’ erst Samstag ist.

Refrain:
In Erwägung, dass man uns dann eben
Mit dem Zettel mit der Rechnung droht,
Haben wir beschlossen,
nunmehr nücht’ren Abend
mehr zu fürchten als Bankrott.

In Erwägung all der bunten Flaschen,
Die das Rückbuffet der Bar enthält,
Haben wir beschlossen,
Reichlich zuzulangen,
Kostet es auch teures Geld.

Refrain

In Erwägung eines Wochenanfangs
Und der Qualen und der Arbeit Fron
Scheint es uns vonnöten
Und nur angemessen
Zu versaufen der Arbeit Lohn.

Refrain

In Erwägung jenes armen Wirtes,
Der die Kellner und die Steuern zahlt,
Woll’n wir uns besaufen
Und viel Trinkgeld geben,
Wie ein Banker, der mit seinen Kröten prahlt.

Refrain

In Erwägung letzter Zigaretten
Und des losen End’s der Diskussion
Haben wir beschlossen,
Zügig auszutrinken.
Keine Sorge, werter Wirt, wir gehen schon!

Original: „Resolution der Kommunarden“ (Melodie: Hanns Eisler / Text: Bertold Brecht)

Kottbusser Damm

Samstag, 3. November 2012

Ich steige aus am Herrmannplatz
da ist ein Polizeieinsatz
Ein leichter Hauch von Haschischduft liegt in der Luft.
Die Urbanstraße überquert,
bei rot wär es total verkehrt
und dort beginnt der Kreuzberger Kiezboulevard

Oh, Kottbusser Damm
Oh, Kottbusser Damm
Gemüse, Obst und Dönermann
die Resterampe nebenan
Spielothek und Handyshop
am Kottbusser Damm

In zweiter Reihe wird geparkt
Am Zickenplatz ist Biomarkt
denn dort beginnt der Graefekiez
da lebt man gesund
Die Ankerklause am Kanal
ist sowas wie ein Kultlokal
Touristen trinken Milchkaffee und Mate-Tee

Oh, Kottbusser Damm
Oh, Kottbusser Damm
Gemüse, Obst und Dönermann
die Resterampe nebenan
Spielothek und Handyshop
am Kottbusser Damm

Zwei Punks verkosten Dosenbier
Die Spätis haben auf bis vier
Die Nacht ist lang in Kreuzberg und noch mehr in Neukölln
Ein hornbebrillter Hipster schwankt
er hat schon ziemlich viel getankt
in einer neuen Cocktailbar
wo er gerade war

Oh, Kottbusser Damm
Oh, Kottbusser Damm
Gemüse, Obst und Dönermann
die Resterampe nebenan
Spielothek und Handyshop
am Kottbusser Damm

Melodie: „Les Champs-Elysées“/Joe Dassin

„Kottbusser Damm“ im Chordpro-Format

Winterswijk

Samstag, 22. Mai 2010

(1)
Seit Tagen sitz ich am Computer
und ich schau bei Youtube zu
In der Hand die Ukulele
doch ich finde keine Ruh!
Diese eine Liebe wird nie zuende geh’n!
Wann werd ich es wiedersehen?

(2)
Manchmal schließe ich die Augen,
stell‘ mir vor ich sitz vorm Zelt
Denk an meine Blümchenwiese
wo es mir so gut gefällt!
Diese eine Liebe wird nie zuende geh’n!
Wann werd ich es wiedersehen?

(Ref)
Ohhh ich hab‘ solche Sehnsucht,
ich tret hier gleich in den Streik!
Ich will zurück zu meinen Freunden
ich will zurück nach Winterswijk!

(3)
Wie oft stand ich schon am Südstern,
wie oft vor dem Leleland?
Wie oft trank ich aus Verzweiflung,
Zuviel Bier mit Dosenpfand?
Diese eine Liebe wird nie zuende geh’n!
Wann werd ich es wiedersehen?

(Ref)
Ohhh ich hab‘ solche Sehnsucht,
ich verliere den Verstand!
Ich will in die Niederlande
ich will zurück nach Gelderland!

(Break)
Es ist zwar etwas kälter,
dafuer ist man unter sich.
Ich weiss genau ein jeder hier
liebt Ukulelen so wie ich.

(Ref)
Ohhh ich hab‘ solche Sehnsucht,
Ich spring gleich vom U-Bahnsteig
Ich will wieder Richtung Westen
ich will zurück, ich will zurück,
ich will zurück, ich will zurück,
nach Winterswijk!

Melodie: Farin Urlaub („Westerland“/Die Ärzte)

Das Lied von Schrödingers Katze

Montag, 20. April 2009

Und die Leute fragen „Lebt die Katze noch?“
Schrödinger wird sagen „Ja, sie lebet doch.“
Sie lebt in einer Kiste,
drin wartet ein Atom
darauf, dass es zerfalle,
doch wann – wer weiß das schon?

Und die Leute fragen „Schaut denn keiner nach?“
Schrödinger wird sagen „Dann droht Ungemach.
Solang die Kiste zubleibt,
da wissen wir genau,
die Katz ist tot und lebend,
sagt selbst, ist das nicht schlau?“

Melodie: Hecker-Lied (volkstümlich)

Des Wachtmeisters mißrat’nes Töchterlein

Donnerstag, 26. März 2009

Im schönen Kreuzberg steht seit vielen Jahren
auf einem Berg ein olles Monument
an dessen Fuß mit ungewaschnen Haaren
auf einer Bank ein alter Säufer pennt.

Die Punker sitzen auf der Wiese
am Lagerfeuer mit nem Bier.
Die Polizei kriegt eine Krise
sie waren heut‘ schon viermal hier.

Am Wiesenrand im Feuerscheine
steht eine liebliche Gestalt
Sie hält nen Pitbullmischling an der Leine
sie fasst ihn sicher und sie gibt ihm Halt.

Das ist des Wachtmeisters mißrat’nes Töchterlein
das gießt sich Wodka ein mit sanftem Schwung.
Und mancher Flaschensammler hält mit Sammeln ein,
schüttelt den Kopf; sie ist ja noch so jung!

Mit bunten Haaren saß im grünen Grase
ein wohlgestalter junger Punk.
Der hat‘ nen Ring an Ohren, Mund und Nase,
was immer schepperte, wenn er was trank.

Er traf sich öfters hier mit den Kollegen,
mit denen er die Revolution besprach.
Der einz’ge Konsens war: „Wir sind dagegen!“
Das ging ihm auf den Geist so nach und nach.

Doch eines Abends – er aß grade Köfte –
ward er der Göre mit dem Hund gewahr.
Am Baum beim Pinkeln war der Hund und kleffte,
am selben Ort, wo er sonst pullern war.

Ja ja, des Wachtmeisters mißrat’nes Töchterlein
stand bei dem Busch allein zur Dämmerung.
Der junge Punk verliebte sich von Kopf bis Fuß
in jene Frau, denn sie war hübsch und jung!

Und als er merkte, daß er sie begehrte,
ging er zum Baum zur Hundehalterin.
Er tat zunächst, als ob sie ihn nicht scherte,
und stellte sich zu ihrem Pitbull hin.

So standen Mensch und Hund zu zweit beisammen,
markierten beide ihr Revier.
Doch weil sich Menschen sonst nicht so benahmen,
biß in des Punkers Bein das edle Tier.

Das sah das Mädchen an mit starrem Blicke
und schallt die Töle einen dummen Hund
sie riß ihr Hemdchen rasch in kleine Stücke
verband das Bein damit dem jungen Spund

Na und des Wachtmeisters mißrat’nes Töchterlein
entbrannte auch sofort in Zuneigung.
sie hauchte einen Kuß auf seinen Mund
und sprach zu ihm: „Was biste schön und jung“

Des Mädels Vater saß in seiner Wanne,
durchfuhr den Park als er die beiden fand.
Er sprach zu ihr: „Na hör mal, liebe Anne,
was ich hier sehe ist ja allerhand“

Zum Punk sprach er: „Du mußt jetzt leiden“
und schnitt ihm rasch den Iro ab.
In Handschell’n legte er die beiden
und führte prompt das junge Pärchen ab.

Doch einen Monat später merkt das Mädchen,
das nie zuvor nach sauren Gurken frug,
und ließ es sich von einem Arzt bestät’gen,
daß sie ’nen Jüngling unterm Herzen trug.

Ach ja, des Wachtmeisters mißrat’nes Töchterlein
das hatte nicht bedacht des Schicksals Lauf.
Doch jener Punker ja der liebte sie so sehr,
da nahmen sie das Schicksal halt in Kauf.

Ums Monument schiebt jetzt den Kinderwagen
ein bürgerlich geword’ner Punk.
Jedoch am Wegesrand seit Jahr und Tagen
liegt immer noch der Säufer auf der Bank.

Melodie: „Des Schleusenwärters blindes Töchterlein“ (Ulrich Roski)

Das Lied vom Fahrrad

Samstag, 22. November 2008

Fahrrad, Fahrrad ohne alles,
ohne Klingel, ohne Licht.
Ich hoff‘ stets, dass Speich‘ und Felge
heute nicht zusammenbricht.
Von dem Schlauch bis hin zur Kette
alles nicht mehr heil und dicht.
Fahrrad, Fahrrad ohne alles
ohne Klingel, ohne Licht.

Wenig Luft, defekte Bremsen
und ’ne Acht im Vorderrad
werden mich noch lang begleiten.
Wohl dem, der ’ne Werkstatt hat,
die mit Tatkraft und Begeist’rung
austauscht auch ein Kettenblatt,
repariert defekte Bremsen
und die Acht im Vorderrad.

Sicherheit auch in der Freizeit
für mein olles Mountainbike,
ohne Angst vor einem Unfall
immer wenn ich es besteig.
Sicherheit auch in der Freizeit,
tritt bloß jetzt nicht in den Streik!
Roll‘ im Dunklen, roll im Lichte,
rolle, olles Mountainbike.

Neumond

Dienstag, 27. November 2007

Der Mond ist ausgegangen,
die gold’nen Sternlein bangen:
Er bleibt nur selten klar.
Der Wirt steht da und schweiget,
des Mondes Pegel steiget.
Er sitzt benebelt in der Bar.

Mit über vier Promille
ist er schon völlig knülle,
der alte Trunkenbold.
Der schlimme Katzenjammer
Tags drauf in seiner Kammer,
der ist von ihm wohl so gewollt.

Der Mond kann kaum noch stehen
doch dafür doppelt sehen,
es ist schon nicht mehr schön.
Er macht so manche Sachen,
die wir zu recht verlachen,
teils amüsant, teils fast obszön.

Er rollt nichtsdestominder
nach Haus‘ als Temposünder;
der Letzte war zuviel.
Wenn er nur nicht so grinste,
man riecht Tequiladünste,
und trotzdem kommt er heil ans Ziel.

Sie könnten ihn verhauen,
den Neuen Mond, den blauen,
die armen Sternelein.
Wie jedes Mal am Ersten
füllt er sich bis zum Bersten
mit Bier, Schnaps, Cocktails und mit Wein.

Doch sollt ihr euch nicht grämen
und nicht so ernst ihn nehmen
an seinem freien Tag.
Er wird – genaugenommen –
trotzdem zur Arbeit kommen.
Er hat ja schließlich ’nen Vertrag.

Zwar wirkt er etwas müder,
doch leuchtet er schon wieder,
wenn auch mit schmalem Bauch.
Verschont ihn drum mit Strafen,
er hat nicht ausgeschlafen,
und einen Kater hat er auch.